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Blue Starlight an der Americana 2006
Kleiner
Mann , ganz groß - Ein Quarter Pony erobert die Americana!
Sita Stepper ungeschlagen in der Superhorse!
Von Ingo Ehrmeier
Alle 2 Jahre trifft sich in Augsburg die stetig wachsende
Westernreiterszene, um ihre Europameisterschaften abzuhalten. Was vor 20
Jahren als kleine Veranstaltung begann ist mittlerweile ein Event der
Superlative und die größte Westernshow in Europa.
Trotz der zeitnahen World Equestrian Games in Aachen lasen sich auch die
Starterlisten der Americana wie das „Who is Who“ der
Westernreiterindustrie.
Kurzum – alles, was Rang und Namen hatte, war da. Zumeist beritten auf
Pferden, die wohl knapp den Gegenwert einer kleinen Eigentumswohnung
haben und mittlerweile ebensolche Stars sind wie ihre Reiter.
Doch zwischen diesen ganzen vier- und zweibeinigen Berühmtheiten gab es
in diesem Jahr eine wahrlich „kleine“ Sensation :
Ein Quarter PONY tummelte sich zwischen den ganzen „Großen“!
„Blues Starlight“ ist ein 3 Jahre alter Palominohengst aus der Zucht von
Dieter Hämmerle von der Red Rock Ranch. Eigentlich hatte aus den kleinen
Kerl ein Nachfolgerpferd für Shadow, das Trickpferd des Shadow Show
Teams werden sollen. Doch seine Besitzerin Karin Tillisch erkannte schon
als sie den Hengst mit 2 Jahren kaufte, dass er ein großes Talent für
die Westerndisziplinen mitbrachte – insbesondere Reining. Also kam der
Hengst im Frühling diesen Jahres in Beritt zu Sita Stepper von der Mocha
Oak Ranch. Sita Stepper ist in der Westernszene bekannt durch ihre
ungebrochene Erfolgsreihe in der Disziplin Superhorse ( mehrfacher
Landesmeister, Deutscher Meister, Europameister) und vor allem durch
ihre pferdefreundliche und schonende Ausbildung.
Starlight wurde im März angeritten, ging im Mai erfolgreich sein erstes
Turnier. Nachdem er dann im Juni auch den Spin ( schnelle Wendung auf
der Hinterhand) und im Juli den Sliding Stop langsam erlernte, meldete
man den kleinen Hengst zu Übungszwecken für die EWU Landesmeisterschaft
Baden Württemberg an, da diese sozusagen vor der Haustür stattfand.
Starlight und Sita Stepper schafften es sich gegen die ausnahmslose
Quarter Horse Konkurrenz in der Junior Reining durchzusetzen und gingen
dann mit den Titel „Landesmeister EWU Junior Reining“ nach Hause.
Und eine Woche später sah man dann die beiden auf der Americana, wo
Starlight für die Futurity und die Freestyle Reining gemeldet war.
Die Futurity auf der Americana gilt als eine der wichtigsten Prüfungen
dieser Art in Europa – und entsprechend hochkarätig war das Startfeld
besetzt!
Natürlich zog der schicke Junghengst schon auf dem Abreiteplatz alle
Blicke auf sich – wenngleich er sicherlich von manch Trainer und
Profireiter auch etwas von oben herab belächelt wurde. Ein Pony auf der
Americana? Das kannten viele nur aus den abendlichen Showprogrammen als
Pausenclown – aber doch wohl nicht im Turnier! Und schon gar nicht in
der Königsdisziplin Reining!
Da Starlight erst mit 3 Jahren angeritten und sein Training auch sehr
schonend bisher aufgebaut worden war, fehlten ihm im Vergleich zu den
anderen Futuritypferden natürlich gute 18 Monate Training. Was der
kleine Hengst seinen großen Altersgenossen aber offensichtlich voraus
hatte, war absolutes Vertrauen zu seiner Reiterin und, wie Sita Stepper
es nennt, „viel Herz“.
Leider war dem charismatischen Paar dann im Go Round das Glück nicht
ganz hold. In der Aufregung verwechselte Starlight wohl das Signal vom
Spin mit dem des Angaloppierens und machte einen kleinen Hüpfer, ehe er
mit der Drehung begann. Ein Fehler, der ihm natürlich pro Richter einen
halben Penalty ( Strafpunkt) sowie einen Abzug von -1 auf das Manöver an
sich einbrachte. Bei 3 Richtern waren dies dann schon 4,5 Punkte Abzug,
was eigentlich nicht mehr aufzuholen ist. Doch Staright und Sita Stepper
meisterten den Rest des Rittes gut und landeten am Ende trotz allem auf
einem passablen 10ten Platz. Die Freude bei Reiter, Besitzer und sogar
beim mitgereisten Hufschmied und dem Rest des „Starlight Fanclubs“ war
natürlich groß, kamen doch eigentlich immer die besten 10 ins Finale.
Überraschenderweise wurde aber gerade in dieser Prüfung das Regelbuch
der NRHA etwas strenger ausgelegt und am Ende standen nur 9 Finalisten
auf dem Blatt. Das tapfere Pony hatte um EINEN PUNKT das Finale
verfehlt! Dennoch hatte Sita Stepper vor allem eines gezeigt – auch mit
einem pferdefreundlichen Training und für Westernverhältnisse extrem
„späten“ Anreiten kann man auf einer Europameisterschaft in die Top 10
kommen!
Am Mittwoch Abend war dann Starlight zum zweiten Mal in der Arena zu
sehen. Mit knapp 3 Stunden Verspätung fand die „World Open Freestyle
Reining“ statt. Erstaunlich viele Starter – darunter auch große Namen
aus dem Reiningsport – hatten sich hierzu angemeldet. Obwohl es keine
offizielle Abendshow war, war die Tribüne zum bersten voll und das
Publikum harrte geduldig aus, bis es dann endlich losging.
Sita Stepper hatte in Zusammenarbeit mit dem Shadow Show Team eine auf
Starlight zugeschnittene Freestyle Reining zum Ohrwurm „Ab in den Süden“
entworfen. Auch das Kostüm war absolut sehenswert : Bikini,
Hawaiiblumen, Schwimmflügel, Badelatschen, Tauchbrille mit Schnorchel,
Schwimmring – und an den Steigbügeln orangerote Tauchflossen!
Starlight trug passend zum Thema ebenfalls Blumengirlanden in Mähne und
Schweif und sein Haupt zierte ein überdimensionaler Strohhut.
Heute schien beiden das Glück auch hold und die Performance klappte
fehlerfrei. Der junge Hengst ließ sich durch die laute Musik und das
noch lautere Anfeuern des Publikums nicht irritieren und stand auch
pünktlich zum Ende des Liedes mit den Vorderbeinen auf einem Postament,
was ihm und seiner Reiterin Standing Ovations einbrachte.
Auch den Richtern schien die Darbietung des mit Abstand jüngsten Pferdes
in der Open Freestyle gut gefallen zu haben, denn mit einem Score von
211,5 erreichten Blues Starlight und Sita Stepper einen souveränen
dritten Platz!
Damit war für Starlight die Americana so gesehen zwar schon vorbei, aber
für Sita Stepper begann dann erst ihre Erfolgsreihe. Bereits am nächsten
Tag ritt sie mit ihrem Quarter Horse Hengst „Doc Smokey Dry“ die World
Open Superhorse. Diese Prüfung wies einen erheblichen Zuwachs an
Startern auf. Aus 5 Nationen kämpften über 30 Reiter um den begehrten
Titel – darunter auch große Namen wie Pierre Quellet aus Kanada und
Francesca Sternberg aus Großbritanien!
Wie auch schon vor 2 Jahren begeisterten Sita Stepper und Doc Smokey Dry
mit einem absolut sauberen und harmonischen Ritt – und wieder wurde dem
freundlichen und nervenstarken Hengst die Europameisterschärpe
umgehängt!
Die Superhorse kann als die schwierigste der Westerndisziplinen
angesehen werden, denn in dieser Prüfung muß das Pferd aus den
Disziplinen Trail, Horsemanship, Pleasure, Western Riding und Reining
die „Kernletktionen“ beherrschen. Nur ein Pferd mit einer sehr
vielseitigen und umfassenden Ausbildung in allen anderen
Westerndisziplinen hat hier überhaupt eine Chance.
Es kann als sehr erfreulich angesehen werden, dass diese schöne und auch
für das Publikum interessante Prüfung so langsam aus dem rießigen
Schatten der allgegenwärtigen Reining herauskommt und ebenfalls das
Publikum begeistert. Auf der Americana wurden die 2000 Euro Preisgeld in
dieser Klasse von der EWU Bayern gesponsort.
Auch in der World Open Westernriding am Samstag zeigte Smoke noch
einmal, was gutes Allround Training und eine pferdefreundliche schonende
Ausbildung bewirken kann – das Paar erreichte in der World Open Western
Riding den vierten Platz!
Und auch das dritte Pferd von Sita Stepper, der 5 jährige Wallach
„Mister Marley Dun It“ meisterte seine erste Americana mit Bravour. Er
erreichte das Finale in der Junior Pleasure und errang dann im Finallauf
am Samstag den dritten Platz . Von der Unruhe seiner Altersgenossen in
dieser Prüfung ließ er sich ebenso wenig anstecken wie von dem Pferd,
das direkt neben ihm anfing in der Prüfung zu bocken.
Sowohl Marley als auch Smoke sind auf der Mocha Oak Ranch geboren und
wurden von Kindesbeinen an von Sita Stepper umsorgt und langsam an ihren
späteren Beruf als Turnierpferd herangeführt.
3 Pferde, 3 Platzierungen und 1 Europameistertitel – ein
„Schleifenschnitt“, der sich wahrlich sehen lassen kann.
Nach der Americana bekamen alle 3 Pferde erst einmal einen ausgiebigen
„Koppelurlaub“ um Kräfte für das letzte Turnier des Jahres zu sammeln.
Doc Smokey Dry und Blues Starlight werden auch auf der EWU German Open
in verschiedenen Klassen starten und Sita Stepper wird auf diesem
Turnier dann auch ihr Goldenes Reitabzeichen im Westernreiten abholen.
Der Westernturniersport ist in den letzten Jahren sehr in Verruf
geraten. Wortwörtlich „halsbrecherische“ Trainingsmethoden, lahmende
Pferde und vor allem die Tatsache, dass es kaum Spitzenpferde über 10
Jahren gibt, gaben dieser angeblich doch pferdefreundlichen Reitweise
einen sehr negativen Beigeschmack.
Auch nahmen die Quarter Horses auf den Turnierplätzen derart überhand,
dass sich manch einer schon fragte, ob Westernreiten denn wirklich offen
für alle Rassen sei – und vor allem, ob denn hier auch alle Rassen
tatsächlich willkommen waren!
Auf der Americana hat man gesehen, dass nicht die Rasse eines Pferdes,
sondern dessen Leistung, über eine Platzierung entscheidet. So gewann
eine Halfingerstute namens „Naja“ den Youth Trail, Halfingerwallach
„Fritz Power“ die World Open Western Riding, eine Quarter Pony Stute
namens „Bonnies Little Surprise“ errang in der Youth Reining den
Vize-Europameistertitel und in der Youth Horsemanship den dritten Platz.
Und ein Quarter Pony Hengst namens Blues Starlight schaffte es auch noch
in die letzte „Quarter Only“ Festung der Westernwelt, in die NRHA
Reinings, vorzudringen und das Publikum mit Herz, Charme – und Strohhut
zu begeistern!
Weitere Informationen über Blues Statlight finden Sie unter:
www.blues-starlight.com
Informationen über Doc Smokey Dry, Sita Stepper und die Mocha Oak Ranch
finden Sie unter:
www.mor-ranch.de
Fotos und Text: K. Tillisch
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